Wenn ich nichts sage, ist es in Ordnung.“ Lob? Gibt’s bei uns nicht! Unternehmer und Vorgesetzte, die so schalten und walten, machen es sich zu leicht. Zudem ignorieren sie die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter nach emotionaler Ansprache. Hinzu kommt ein Führungstool, das in vielen Firmen gängig ist: die nüchtern ausformulierte Zielsetzung mit entsprechenden Vereinbarungen.
Für Maja Storch vom Institut für Selbstmanagement und Motivation in Zürich ist das praxisübliche Ausreizen der Zielsetzung „langfristig kontraproduktiv“. Entsprechend hart geht sie mit dem ausufernden Zielsetzungs(un)wesen ins Gericht: „Effektivitätssteigerung geht heute auf Kosten der Firmenkultur, der langfristigen Gesundheit und der Kreativität von Unternehmen, insbesondere auf dem Buckel der Mitarbeiter“, schreibt sie in dem Buch „Die Manana-Kompetenz“.
Im Blick auf die emotionalen Bedürfnisse der Belegschaft sei es weitaus effizienter, anstatt auf ausgeklügelte Führungstechniken auf überlegtes Verhalten zu setzen, das aus der Situation herauskommt. Führen nach striktem Reglement ist, wie Storch betont, „kein Erfolgsrezept, es ist ein nachweisbares Misserfolgsrezept“.
Ein positives Betriebsklima gehört dazu. Kluge Chefs wissen das. Der Chef, der Fröhlichkeit ausstrahlt, sorgt für fröhliche Mitarbeiter. Und denen geht nicht nur vieles leichter von der Hand, sie sind auch aufgeschlossener den Anliegen und Wünschen ihrer Gäste gegenüber.
In ihrer Dissertation hat die Beraterin Christine Scheitler die Bedeutung sozialkompetenten Verhaltens nachgewiesen. Das gute Wort zur rechten Zeit, Lob und Wertschätzung sind aus Sicht der Expertin unabdingbar. Fraglos ist auch die Entlohnung entscheidend. Aber gerade die immaterielle Leistungsanerkennung ist ausschlaggebend für die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Und damit auch für die in ihrer Bedeutung beziehungsweise Auswirkung oft verkannte emotionale Bindung an den Arbeitgeber.
Gerade im Zeitalter von Twitter & Co., wo im Netz ungebremst über alle möglichen Befindlichkeiten „gezwitschert“ wird, sollte das, was Mitarbeiter über ihre Firma berichten, nicht unterschätzt werden. Abfällige Statements über das Unternehmen, von emotional ausgehungerten, unzufriedenen Belegschaftsmitgliedern ins Netz gestellt, können beachtlichen wirtschaftlichen Schaden anrichten.
Michael Kastner, Professor für Organisationspsychologie an der Universität Dortmund, bringt die Sache auf den Punkt: „Soziale Kompetenz ist die Formel für diejenigen, die auf Dauer Erfolg haben wollen.“ Hartmut Volk
