Bettina Bienlein und Ralf Kampf:„Die Kirche bietet berufliche Perspektiven“
Bettina Bienlein und Ralf Kampf:„Die Kirche bietet berufliche Perspektiven“

Jobs und Mehr: Karriere unter kirchlichem Dach

In ihren 15 Tagungshäusern beschäftigt die Diözese Rottenburg-Stuttgart Hotel- und Gastroprofis / Die Arbeitsbedingungen sind besonders günstig

Rottenburg. Wer in Gastronomie und Hotellerie interessante Jobs sucht, denkt in erster Linie an das klassische Gastgewerbe. Doch auch die katholische Kirche beschäftigt und bildet gastgewerbliche Fachkräfte aus. Rund 180 Angestellte zählt etwa die Diözese Rottenburg-Stuttgart in ihren 15 Tagungshäusern, die sie in ganz Württemberg unterhält. In den ehemaligen Klöstern und Bildungshäusern können etwa 50 Lehrlinge in den Berufsfeldern Koch, Hotel- und Restaurantfachfrau ausgebildet werden, so Geschäftsführer Ralf Kampf.
  Gute Bezahlung
 
Der Leiter des kirchlichen Eigenbetriebs betont, dass die Beschäftigten gemäß den tariflichen Bestimmungen des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. „Verglichen mit der Hotellerie und Gastronomie verdienen die gastgewerblichen Fachkräfte damit bis zu 350 Euro mehr im Monat“, so Kampf. Außerdem stehen den Angestellten mindestens 26 Tage Urlaub im Jahr zur Verfügung. Überstunden werden dem Geschäftsführer zufolge entweder mit Freizeit abgegolten oder entlohnt.
 
Darüber hinaus bieten die Tagungshäuser der Diözese ihren Beschäftigten geregelte Arbeitszeiten. „Normalerweise wird bei uns im Spätdienst im F&B-Bereich bis maximal 20 Uhr gearbeitet“, so Ralf Kampf. „Die Rezeption ist bis maximal 21 Uhr besetzt.“
 
Einen Nachtdienst gibt es nicht. Ausnahmen bilden Tagungen, Konferenzen, Seminare, Hochzeiten oder Betriebsfeiern. „Inklusive dieser Sonderveranstaltungen beträgt die Arbeitszeit etwa 45 Stunden“, sagt Kampf. „Ohne diese Events sind es zwischen 30 und 40 Wochenstunden.“
 
Fachkräfte, die in einem der traditionsreichen Häuser in Küche, Service, Housekeeping oder Rezeption arbeiten möchten, sollten Mitglied einer der Kirchen sein, die in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) zusammengeschlossen sind. Wer sich erfolgreich bewirbt, kommt laut Bettina Bienlein in ein Team, das eine geringe Mitarbeiterfluktuation aufweist. „Rund 70 Prozent der Beschäftigten sind Stammpersonal“, sagt die Leiterin des Klosters Schöntal. „Viele Mitarbeiter sind zwischen acht und 25 Jahren bei uns.“
 
Auch Bettina Bienlein ist seit fast einem Jahrzehnt als Hausleiterin beim kirchlichen Eigenbetrieb beschäftigt. Täglich ist die gelernte Hotelfachgehilfin vor neue Herausforderungen gestellt, die sie kreativ fordern. „Weder in der Privat- noch in der Kettenhotellerie ist die Bandbreite der Gäste und Events so groß wie hier“, so Bienlein. „Universitäten, Vereine, Chöre, Wirtschaftsunternehmen oder Kirchenvertreter kommen im Rahmen von Tagungen, Konferenzen, Schulungen, Seminaren oder Betriebsfeiern zu uns.“
 
Damit einher gehe, dass sich die verschiedensten Gäste ein Stelldichein geben und die Bediensteten mit den unterschiedlichsten Wünschen und Bedürfnissen ansprechen. Das gestalte die Arbeit im Kloster Schöntal abwechslungsreich und interessant, was letztlich für alle Häuser der Diözese gelte.
 
Teamwork gehört in den Tagungshäusern der Diözese Rottenburg-Stuttgart dazu, ähnlich wie in der regulären Hotellerie und Gastronomie. 12 bis 50 Mitarbeiter sind in den einzelnen Häusern beschäftigt. Dabei erhalten die Angestellten nach Auskunft von Bettina Bienlein Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche. Auch historisches Wissen ist gefragt. „Denn beinahe jeder Gast möchte etwas über die Geschichte der Häuser erfahren“, so die Leiterin des Klosters Schöntal. „Die ersten, die mit Fragen zur Historie konfrontiert werden, sind die Angestellten. Daher sollten sie auch Auskunft geben können.“
  Chancen im Ausland
 
Auch Mitarbeiter kirchlicher Betriebe wollen vorankommen. Mit jedem Beschäftigten werden Gespräche über seine beruflichen Erwartungen und Perspektiven geführt. Dabei bieten sich laut Ralf Kampf insgesamt gute Aufstiegsmöglichkeiten. Ob Abteilungs- und Hausleiter oder eine Führungsposition in der Verwaltung des kirchlichen Eigenbetriebs: Die Karrierechancen, die engagierten Beschäftigten offenstehen, seien vielfältig. Fort- und Weiterbildungen, die unter anderem betriebswirtschaftliches Know-how oder Kenntnisse in der Personalführung vermitteln, würden den Mitarbeitern einmal im Jahr angeboten.
 
Da die katholische Kirche nicht nur in Württemberg, sondern auch in anderen Bundesländern Tagungshäuser unterhalte, sei es auch möglich, Angestellten, die den Standort wechseln wollen, eine Stelle in einer anderen Diözese oder einem anderen Bistum zu beschaffen. Auch im europäischen Ausland sei die katholische Kirche mit ihren Unterkünften auf dem Markt vertreten. „Mit Hilfe unseres Netzwerks ist es so auch möglich, Leuten unter die Arme zu greifen, die dauerhaft oder befristet ins Ausland gehen wollen“, so Ralf Kampf.
 
Daniela Haußmann
 
www.drs.de
 
www.katholische-kirche.de
 
www.kloster-schoental.de
 
www.tagungshaus.net


Autor: Daniela Haußmann
Erschienen in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, Ausgabe 2010/535, Seite A3