Das neue Scandic:Eines von vielen neuen Häusern, die auf den Berliner Hotelmarkt drängen und den Wettbewerb verschärfen Foto: Archiv
Das neue Scandic:Eines von vielen neuen Häusern, die auf den Berliner Hotelmarkt drängen und den Wettbewerb verschärfen Foto: Archiv

Jobs und Mehr: Berlin im Bettenfieber

Zimmerpreise unter Druck: Hotelkapazitäten steigen schneller als die Übernachtungszahlen

Berlin. Auf dem Berliner Hotelmarkt wird es eng. Eine Hoteleröffnung jagt die nächste. So wird bereits Anfang Oktober Scandic sein Hauptstadt-Flagschiff mit mehr als 560 Zimmern an den Start bringen (AHGZ vom 21. August), im Winter folgt das Nhow, bald auch das Waldorf Astoria und das Sheraton, um nur einige Namen zu nennen. Ein Ende ist nicht abzusehen.
 
So plant, wie jüngst bekannt wurde, die israelische Investorengruppe Elad am Standort des ehemaligen Postfuhramtes ein 14-stöckiges 5-Sterne-Haus. Allein bis 2011 soll die Bettenzahl um 15 Prozent steigen. Nicht alle Experten halten das für gesund. „Schon jetzt sind viele Häuser nicht in der Lage ihre Betten zu füllen“, sagt beispielsweise Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH.
 
Außer einer niedrigen Auslastung sind bereits jetzt niedrige Raten die Folge. Ähnlich problematisch sah auch Markus Beike, Geschäftsführer von Christie + Co Deutschland, bei der ersten Berliner Hotelimmobilienrunde die Entwicklung in der Hauptstadt, obwohl der RevPar in den ersten vier Monaten dieses Jahres sogar zugelegt habe. Allerdings sei die Entwicklung von der Mehrwertsteuersenkung sicherlich günstig beeinflusst worden.
 
„Der positive Trend, den wir erkennen konnten, könnte durch weitere neue Hotels gebrochen werden“, befürchtet Beike, denn „das Verhältnis zwischen dem Wachstum der Übernachtungszahlen und dem Bettenzuwachs ist gestört.“ Trotz immer neuer Erfolgsmeldungen im Berlin-Tourismus bleiben die Zuwächse hinter dem steigenden Angebot zurück. Die Berliner Hotellerie musste, so Beike, 2009 bereits einen Produktivitätsrückgang von rund 6 Prozent hinnehmen, der sich aus geringerer Auslastung (minus 3%) und gesunkenen Nettozimmerpreisen (minus 2%) ergab. Bis 2012 rechnet er im Vergleich zum Jahr 2009 mit einem weiteren Anstieg der Hotelbetten um 12 Prozent.
 
Spitzenreiter ist dabei das 4-Sterne-Segment, in dem es ohnehin schon eng zugeht. „Wir werden daher eine aggressive Preispolitik sehen“, so Beikes Fazit, „bei der die schon niedrigen Berliner Zimmerraten noch weiter unter Druck geraten werden.“
 
Vor allem Neueinsteiger würden so versuchen, Marktanteile zu gewinnen. Für Investoren gelte es daher, Konzepte, Kaufangebote und Finanzierungen noch genauer zu prüfen.
 
Uwe Lehmann


Autor: Uwe Lehmann
Erschienen in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, Ausgabe 2010/535, Seite A9