Christoph Ladewig: „Ein hohes Bildungsniveau im Dienstleistungsbereich ist die Zukunft Deutschlands“ Foto: Schule
Welche Abschlüsse bieten Sie an Ihrer Schule an?
Ladewig: Die Hotelfernschule Poppe & Neumann bereitet ausschließlich auf IHK-Prüfungen vor. Das Lehrgangsangebot umfasst die externen Berufsabschlüsse IHK für Köche, Restaurant- und Hotelfachleute, Hotelkaufleute, Fachleute für Systemgastronomie, Fachkraft im Gastgewerbe, außerdem Küchen-, Restaurant- und Hotelmeister IHK, Fachwirt im Gastgewerbe IHK, Diätkoch IHK sowie die Ausbildereignungsprüfung IHK. Alle Lehrgänge sind durch die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) geprüft und zugelassen. Seit 14 Jahren kooperieren wir eng mit der Industrie- und Handelskammer Frankfurt/Main und dem Verband der Köche Deutschlands.
Welche Voraussetzungen müssen Interessenten jeweils mitbringen?
Ladewig: Weil wir berufsbegleitende Weiterbildung anbieten, stehen unsere Teilnehmer im Beruf und sind in der Regel ausgebildete Fachkräfte mit Berufspraxis oder Seiteneinsteiger mit Berufserfahrung.
Welche Kosten fallen für die Weiterbildung an?
Ladewig: Monatliche Lehrgangsraten liegen zwischen 85 und 149 Euro. Die Förderung ist durch Meister-BaföG oder die Agentur für Arbeit möglich.
Wie viele Leute machen bei Ihnen jährlich einen Abschluss?
Ladewig: Wir haben rund 500 Prüflinge im Jahr. Tatsächlich sind die Zahlen deutlich höher, weil immer mehr Teilnehmer sich mit unseren Lehrgängen auf die Prüfungen vorbereiten und diese vor der örtlichen IHK ablegen.
Seit wann gibt es Ihre Schule?
Ladewig: Gegründet wurde sie bereits im Jahre 1895, als eine der ersten privaten Hotelfachschulen, in Dresden.
Wie sind Sie selbst zu Poppe & Neumann gekommen?
Ladewig: Ich leite die Hotelfernschule Poppe & Neumann seit 1978 und habe diese 1997 übernommen, also gekauft. Dazu gekommen bin ich über mein Faible sowohl für das Gastgewerbe als auch für das Thema Erwachsenenbildung. Den Namen „Hotelfernschule Poppe & Neumann“, der auf die Gründer zurückgeht, haben wir beibehalten. Schließlich handelt es sich um einen geschützten Markennamen mit bestem Ruf in der Branche.
Wieso gerade eine Fernschule?
Ladewig: In der Regel ist der berufsbegleitende Fernlehrgang gerade für die Menschen im Gastgewerbe die einzig machbare Form der beruflichen Weiterbildung. Gründe dafür sind vor allem berufliche und betriebliche Erfordernisse, die Ausfallszeiten zum Besuch von Vollzeitmaßnahmen schlicht unmöglich machen. Abendschul- und Wochenend-Bildungsangebote sind für Beschäftigte aus der Branche – schon aufgrund der Arbeitszeiten – nicht machbar.
Wie würden Sie Ihre Zielgruppe beschreiben?
Ladewig: Selbständige, mitarbeitende Familienangehörige, Beschäftigte in Hotel, Service und Küche aus dem Gastgewerbe, der Gemeinschaftsverpflegung und der Systemgastronomie.
Wie haben sich die Anforderungen an den Nachwuchs und an die Ausbildung/Ausbilder in den vergangenen Jahren verändert?
Ladewig: Der Branche hat die gesetzlich verordnete Aussetzung der Ausbildereignungs-Verordnung von 2003 bis 2008 spürbar geschadet. Rein rechnerisch haben sechs Jahrgänge ausgebildetete Fachkräfte deshalb nicht die Ausbildereigungsprüfung gemacht. Diese Ausbilder fehlen heute. Obgleich sich die Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Ausbildung spürbar verändert haben, ist das Niveau der Ausbildung in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Hier gilt es in den nächsten Jahren einiges aufzuholen.
Welche Themen sehen Sie als besonders wichtig an?
Ladewig: Die Branche muss endlich verinnerlichen, dass Dienstleistung am Menschen von Menschen erbracht wird. Eine gute Ausbildung sichert den Fachkräftebedarf von morgen. Weiterbildung ist längst ein schlichtes Muss. Auf einmal Erlerntem stehen zu bleiben, reicht bei Weitem nicht mehr aus. In Zeiten immer perfekter werdender Halbfertig- und Fertigprodukte und computergesteuerter Geräte werden qualifizierte Mitarbeiter zu Organisatoren, müssen über ausgeprägte betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
Wie versuchen Sie, an der Schule darauf einzugehen?
Ladewig: Die Hotelfernschule Poppe & Neumann definiert sich von jeher über eine branchenabdeckende „Missionsarbeit“ in Sachen beruflicher Qualifikation und Weiterbildung und ist so zur teilnehmerstärksten Bildungseinrichtung für die gastgewerblichen Berufsgruppen gewachsen. Tausende erfolgreicher Absolventen transportieren die Möglichkeiten und Chancen des berufsbegleitenden Fernlehrgangs in den Betrieben, in den Verbänden. Ein hohes Bildungsniveau im Dienstleistungsbereich ist die Zukunft Deutschlands.
Das Duale System in der Berufsausbildung hat sich bewährt. Trotzdem sind die Meinungen hinsichtlich Berufsschule und betrieblicher Ausbildung recht unterschiedlich. Wichtig ist meiner Überzeugung nach, dass nur in Betrieben ausgebildet wird, die dafür wirklich geeignet sind – und nur von Ausbildern, die Ausbildung als Herausforderung betrachten. Werden Auszubildende nur als billige Arbeitskräfte beschäftigt, ist dies keine Ausbildung. Die Betriebe müssen allmähllich begreifen, dass Versäumnisse in der Ausbildung sich längt in einem wachsenden Fachkräftemangel widerspiegeln. Gleichermaßen müssen Betriebe (auch die kleineren) sich mit bewährten Instrumenten der Personalentwicklung beschäftigen. Dazu gehört auch die ständige Weiterbildung der Mitarbeiter. Weil der berufsbegleitende Fernlehrgang betriebliche Belange nicht berührt, ist desssen Nutzung auch für die Unternehmen hochinteressant.
Stichwort Fachkräftemangel: Wie beurteilen Sie die Situation?
Ladewig: Bereits heute klagen Betriebe darüber, dass am Arbeitsmarkte weder Köche noch Servicefachkräfte zu finden sind. In den letzten Jahren „ausgebildete“ Fachkräfte beherrschen oftmals nicht die Basics ihres Berufes. Auch hier zeigt sich nachhaltig, wie fatal die Aussetzung der Ausbildereignungsverordnung AEVO tatsächlich war. Der Fachkräftemangel wird sich verstärken, wenn nicht massive Mehranstrengungen in Richtung einer hochwertigen Berufsausbildung und einer permantenten Weiterbildung unternommen werden.
Die Fragen stellte Marina Behre
www.poppe-neumann.de

